Showkampf zum 80. Tennisturnier 1979: 2.v.l Andreas Huber, 4.v.l Christina Schwechten, Tochter des damaligen Turnierdirektors Quelle: Privat Andreas Huber
Showkampf zum 80. Tennisturnier 1979: 2.v.l Andreas Huber, 4.v.l Christina Schwechten, Tochter des damaligen Turnierdirektors Quelle: Privat Andreas Huber

Drei Generationen Tennis auf Borkum

Grußwort zum Borkumer Tennisturnier 2011

 

 

100 Jahre Tennisturnier auf Borkum? Ich stutze. Auf der einen Seite ist da eine ganz große Freude, dass die große Tradition des Bäderturniers auf Borkum endlich wiederbelebt wird. Aber da ist auch Skepsis. 100 Jahre? Meine Gedanken gehen zurück – nicht nur in der Borkumer Geschichte, sondern auch in unserer Familiengeschichte. Und zwar deutlich mehr als 100 Jahre zurück... Ich erinnere mich, natürlich! Es war doch das Jahr 1899, als auf Borkum das erste Tennisturnier ausgetragen wurde!

 

Nicht ganz unbeteiligt daran war mein Großvater Willi Huber, der damals das schon das 6. Mal aus Straßburg kommend mit fast dreitägiger Anreise auf die Insel kam. Diese Fahrt war damals noch fast ein Abenteuer. Er erzählte später, dass es auf dem Raddampfer nach Borkum bei starkem Seitenwind zu Problemen kam, weil dann durch die Krängung des Bootes eine Schaufel aus dem Wasser herausragte. Alle Passagiere wurden auf die Lee-Seite gebeten, um die Schaufel durch ihr Gewicht wieder ins Wasser zu bringen, damit der Dampfer nicht im Kreis fuhr...

 

Ihm ging es zunächst nicht um Tennis. Als begeisterter Jäger wollte er auf Borkum der Seehundsjagd nachgehen. Heute unvorstellbar, damals auf der Insel eine Normalität. Die Seehundsjägerei war sogar ein Gewerbe, für jeden erlegten Seehund gab es eine Prämie, sie waren damals eine Art „Plage der Nordsee“. Meinem Opapa ging es um das Naturerlebnis, er freundete sich mit dem auf der Insel noch heute berühmten Seehundsjäger (und Vormann des Rettungsbootes) Hermann Akkermann an und fuhr danach Jahr für Jahr mit ihm zur Jagd – unterbrochen wurde dieses gemeinsame Vergnügen nur durch die beiden Weltkriege. Später kaufte er sein Haus, das uns noch heute als Ferienhaus dient – in der inzwischen 5. Generation.

 

Aber seine 2. Leidenschaft war das Tennis. Er hatte diese damals junge Sportart (erst 1874 wurde Tennis in England patentiert) im damals sehr vornehmen Tennisverein „Lenotre“ in Staßburg sehr früh gelernt und war für damalige Verhältnisse recht spielstark. Urlaube ohne Tennis waren für ihn langfristig undenkbar! Auf Borkum gab es natürlich noch keinen Tennisplatz, aber einen ganz natürlichen Ersatz: Bei Ebbe konnte man herrlich am Strand spielen. Man brauchte nicht einmal den Platz abzuziehen. Nur Schmetterbälle wurden hart bestraft – es fehlte der Zaun...! Die ersten Tennisturniere wurden, wie noch heute im Golf, mit Vorgabe gespielt. Willi Huber als recht guter Spieler trat mit -40 an, sein Gegner in der 1. Runde mit +30. Der liebe Opapa musste also 5 Punkte machen bis es 0:0 stand – in jedem Spiel!

 

Tennis wurde zu einer echten Attraktion auf Borkum und das Bäderturnier wuchs und gedieh. Immer mit dabei: Mein Großvater, sein Bruder Oscar und später auch seine drei Kinder. Jahr für Jahr. In den 30er Jahren absolvierte die 1. Herrenmannschaft des ETUF Essen, damals Rheinland-Meister, regelmäßig ein „Trainingslager“ auf Borkum. Dabei wurde nicht nur viel gespielt, sondern wohl auch die Insel etwas „unsicher gemacht“...

 

Ich selbst kann mich noch gut an die großen Turniere in den 60er und 70er Jahren erinnern. Die Organisation lag in den Händen des renommierten Tennislehrers Hans Eckner aus Essen (ebenfalls vom ETUF), der gemeinsam mit dem Mülheimer Hans Schwechten eine perfekte Organisation auf die Beine stellte. Es gab manches Jahr über 15 verschiedene Spielklassen bei Erwachsenen und Kindern mit 8er, aber auch 32er Feldern auf teilweise sehr beeindruckendem Niveau. Als Junge durfte ich bei der Organisation der „Hilfssheriff“ sein, worauf ich damals sehr stolz war. Die ganzen Sommerferien pendelte ich zwischen Tennisplatz und unserem Haus in der Süderstraße, der Strand sah mich höchst selten.

 

Ein echtes Highlight war dann 1979 ein großes „80 Jahre Bäderturnier“ mit großem Rahmenprogramm. Aus dem ETUF wurde Peter Elter, vielfacher deutscher Meister und Daviscupspieler, „eingeflogen“, der einen großartigen Showkampf mit seinem Freund Jochen Settelmeyer spielte. Als Erinnerung an das 1. Turnier 1899 durfte ich mit Hans Eckner jun. und Christina Schwechten einen Showkampf am Nordstrand durchführen, keiner von uns hat je vorher oder nachher vor so viel Zuschauern gespielt! Eine besondere Freude meines Vaters war es, dass er mit seinem lebenslangen Freund Conny Meffert die „Ü60 Klasse“ der Senioren gewann, genau 50 Jahre nachdem sie das erste Mal das Doppel beim Bäderturnier gewonnen hatten- 1929!

 

Damals konnte niemand wissen, dass dieses Turnier das letzte meines Vaters war und für lange Zeit auch das letzte wirklich große Bäderturnier auf Borkum. Tennis geriet nach den Becker- und Graf-Jahren überall, aber vor allem auf Borkum ins Abseits. Auch die herrliche Anlage und die Qualität der Plätze lies bald zu wünschen übrig...

 

Umso mehr freut es mich, und mit mir bestimmt Tausende von Tennis- und Borkumfans, dass die große Bäderturnier-Tradition auf Borkum fortgesetzt wird. Kaum einem Insulaner und Gast ist heute noch bewusst, dass Borkum eines der ältesten Tennisturniere in Deutschland überhaupt hat, das nur 12 Jahre nach dem 1. Wimbledonturnier und drei Jahre vor Gründung des Deutschen Tennisbundes ausgetragen wurde – bei Ebbe am Strand!

 

Möge dieses Turnier ein Erfolg werden! Inzwischen weiß ich, es wird die „100-ste Austragung des Borkumer Tennisturnieres“ begangen! Gut so! Man kann nur hoffen, dass die Insulaner, die Gäste, die Hotels und Gewerbetreibenden der Insel und die „Honoratioren“ die Chancen erkennen, die in dieser tollen Tennistradition liegen und die Veranstaltung nach Kräften unterstützen! Den Veranstaltern und Spielern wünsche ich schönes Wetter, wenig Wind und vor allem viel Spaß - auf dem Platz und auch danach!

 

Andreas Huber

1. Vorsitzender der Tennisriege des ETUF Essen